Der letzte Zug: Spannende Schauer – Geschichte (4 Kapitel)

Ein Zug mit beleuchteter Lok
Ein Zug mit beleuchteter Lok

In der Geschichte Der letzte Zug bekommt Marie eine Nachricht von ihrer besten Jugendfreundin Sarah, doch Sarah ist schon lange tot…

Der letzte Zug

Kapitel 1

Als Marie sechzehn Jahre alt war, verbrachte sie viel Zeit mit ihrer besten ⇒Freundin Sarah. Besonders gern trafen sie sich an einem alten Bahnhof am Rand ihres Dorfes. Dort hielten schon seit vielen Jahren keine Züge mehr. Die Gleise waren rostig, die ⇒Fenster des kleinen Bahnhofsgebäudes eingeschlagen, und überall wuchs Unkraut. Trotzdem mochten die beiden diesen Ort.

Eines Abends saßen sie wieder auf der alten Bank am Bahnsteig. Es war Ende Oktober und schon ziemlich kalt. Sarah blickte auf die verlassenen Gleise und hatte plötzlich eine Idee. „Lass uns etwas versprechen. In vierzehn Jahren treffen wir uns an ⇒Halloween wieder hier. Genau um ⇒Mitternacht.“ Marie musste lachen. Vierzehn Jahre kamen ihr damals wie eine Ewigkeit vor. Trotzdem gab sie Sarah die Hand und versprach es ihr.

Nur wenige Monate später war Sarah tot.

Auf dem Heimweg von einer Feier wurde sie von einem Auto angefahren. Für Marie war es eine schreckliche ⇒Zeit. Sie ging danach nie wieder zum alten Bahnhof und versuchte irgendwann, nicht mehr ständig an diesen Ort zu denken.

Die Jahre vergingen. Marie zog in eine andere ⇒Stadt, heiratete und bekam einen Sohn. Natürlich dachte sie manchmal noch an Sarah. An das Versprechen am Bahnhof hatte sie aber schon lange nicht mehr gedacht. Vierzehn Jahre später war wieder Halloween. An diesem ⇒Tag musste Marie zum ersten Mal seit Langem an das Versprechen denken. Da Sarah längst tot war, dachte sie natürlich nicht daran, wirklich zum Bahnhof zu fahren.

Halloween-Dekoration
Kürbisse und eine Laterne für Halloween

Kapitel 2

Kurz vor Mitternacht saß Marie mit ihrem Mann im Wohnzimmer. Ihr Sohn schlief bereits. Plötzlich vibrierte ihr Handy. Die Nachricht kam von einer unbekannten Nummer.

Du hast es versprochen.

Marie starrte auf das Display. Sofort musste sie an Sarah denken. Sie versuchte sich einzureden, dass sich jemand einen schlechten Scherz erlaubte. Dann kam eine zweite Nachricht.

Ich warte am Bahnhof.

Marie bekam eine Gänsehaut. Sie zeigte ihrem Mann die Nachrichten, doch der hielt es ebenfalls für einen Scherz. Vielleicht wusste jemand aus ihrer Schulzeit von dem Versprechen. Marie blockierte die Nummer und legte ihr Handy auf den Tisch.

Um Punkt Mitternacht vibrierte es erneut.

Diesmal hatte sie ein Foto bekommen. Darauf war der alte Bahnhof zu sehen. Auf der Bank am Bahnsteig saß eine junge Frau mit einer roten Jacke. Das Bild war dunkel und unscharf, doch Marie erkannte die Jacke sofort. Sarah hatte sie fast jeden Tag getragen.

Marie schlief in dieser ⇒Nacht kaum. Am nächsten Morgen war das Foto noch immer auf ihrem Handy. Sie konnte sich nicht erklären, wer es aufgenommen hatte. Sie redete sich immer wieder ein, dass jemand sie nur erschrecken wollte.

Am folgenden Abend kam eine weitere Nachricht.

Du bist nicht gekommen.

Wenige Sekunden später klopfte es an der Haustür. Marie und ihr Mann gingen gemeinsam zur Tür. Als sie öffneten, stand niemand davor. Auf der Fußmatte lag nur eine alte Fahrkarte. Sie war vergilbt und an den Seiten eingerissen. Auf der Rückseite standen vier Wörter.

Ein Handy
Ein Smartphone

Kapitel 3

Heute Nacht. Letzte Chance.

Marie hatte genug. Sie wollte endlich wissen, wer dahintersteckte. Gegen halb zwölf setzte sie sich ins Auto und fuhr zum alten Bahnhof. Ihrem Mann sagte sie, dass sie nur kurz nachsehen und sofort wieder zurückkommen würde.

Als sie dort ankam, war alles still. Das Bahnhofsgebäude sah noch genauso aus wie früher. Die alte Bank stand noch auf dem Bahnsteig, und zwischen den Gleisen wuchsen hohe Büsche. Marie stieg aus und ging langsam näher.

„Hallo? Ist hier jemand?“

Niemand antwortete.

Dann hörte sie ein Geräusch.

Ein Zug pfiff.

Marie blieb stehen. Das war unmöglich. Auf dieser Strecke war seit vielen Jahren kein Zug mehr gefahren. Trotzdem erschien in der Ferne plötzlich ein ⇒Licht. Es kam immer näher.

Wenig später rollte ein schwarzer Zug in den Bahnhof.

Er glitt völlig lautlos über die Schienen.

Marie wich einige Schritte zurück. Der Zug hielt direkt vor ihr und eine der Türen öffnete sich. Eine junge Frau stand im Eingang.

Es war Sarah.

Sie sah genauso aus wie damals. Ihre langen Haare fielen über die rote Jacke, und an ihrem Handgelenk trug sie noch immer das Armband, das Marie ihr einmal geschenkt hatte.

Ein alter Zug
Ein historischer Zug

Kapitel 4

„Sarah?“

Die junge Frau lächelte. „Du bist doch noch gekommen.“

Marie konnte sich kaum bewegen. „Du bist tot.“

Sarah sah sie einen Moment lang an.

„Ich weiß.“

Plötzlich gingen im Zug die Lichter an. Marie blickte durch die Fenster und sah Dutzende Menschen auf den Sitzen. Männer, Frauen und sogar Kinder. Niemand bewegte sich. Ihre Haut war grau, und ihre Augen waren geschlossen.

Marie bekam Panik und ging langsam rückwärts. „Ich fahre jetzt nach Hause.“

Sarah streckte ihre Hand aus.

„Wir haben es uns versprochen.“

„Das war damals. Wir waren ⇒Kinder.“

Sarahs Gesicht veränderte sich. Ihr Lächeln verschwand, und ihre Haut wurde plötzlich blass. Dunkles ⇒Blut lief aus einer Wunde an ihrer Stirn.

„Ein Versprechen bleibt ein Versprechen.“

Marie drehte sich um und rannte zu ihrem Auto. Hinter ihr ertönte der laute Pfiff des Zuges.

Am nächsten Morgen fand ihr Mann Maries Auto auf dem Parkplatz vor dem alten Bahnhof. Der Schlüssel steckte noch im Zündschloss, und ihre Jacke lag auf dem Fahrersitz.

Von Marie fehlte jede ⇒Spur.

Auf dem Bahnsteig lag nur ihr Handy. Auf dem Display war ein Foto geöffnet.

Darauf saßen Marie und Sarah nebeneinander in dem schwarzen Zug. Hinter ihnen blickten die bleichen Fahrgäste direkt in die Kamera.

Sarah hatte den Arm um Marie gelegt und lächelte.

Marie blickte direkt in die Kamera. Ihre weit aufgerissenen Augen wirkten, als wollte sie um Hilfe schreien.

Unter dem Foto standen nur die Worte:

Jetzt sind wir wieder zusammen.

(Quelle: Diboo)

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